Desodorierung und Dekontamination beim Kunststoffrecycling: Experteninterview

Von der Geruchsreduzierung zu lebensmitteltauglichen Recompounds: Wie moderne Technologien für die Desodorierung und die Dekontamination neue Möglichkeiten für Rezyklate eröffnen I Experteninterview mit Jochen Schofer

Da die Qualitätsanforderungen an Rezyklate kontinuierlich steigen, stehen Recyclingunternehmen zunehmend unter Druck: Sie müssen Recompounds mit geringer Geruchsbelastung, gleichbleibenden Eigenschaften und mit der Eignung für anspruchsvolle Anwendungen herstellen. Gleichzeitig müssen sie wirtschaftlich und nachhaltig produzieren.

Mit integrierten Recyclingtechnologien erzielt Coperion die wirksame Desodorierung und Dekontamination über den gesamten Kunststoff-Recyclingprozess hinweg. Der erste Schritt beginnt bereits beim Waschen und der Materialaufbereitung, gefolgt von einer intensiven Entgasung im Coperion-Doppelschneckenextruder und schließlich durch die Siloentgasung EcoFresh. Dieser ganzheitliche Ansatz verbessert nicht nur die Geruchsqualität und die Leistungsfähigkeit der Rezyklate, sondern wurde auch für die Herstellung von lebensmitteltauglichem rHDPE und rPP validiert. Im Juni 2026 erhielt Coperion von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) den Letter of No Objection (LNO), der die Wirksamkeit der Coperion-Technologien für die Herstellung von rHDPE und rPP für den direkten Lebensmittelkontakt bestätigt. Damit bietet Coperion als erster Komplettanbieter von Dekontaminationssystemen mit Doppelschneckenextruder und Siloentgasung EcoFresh dem Markt eine hocheffiziente Lösung für die Herstellung lebensmitteltauglicher Rezyklate – sowohl für kleine Durchsätze als auch bis hin zu 6.000 kg/h.

Wir haben mit Jochen Schofer, Head of Sales Recycling bei Coperion, über die wachsende Bedeutung der Desodorierung im Kunststoff-Recycling und über den LNO der FDA gesprochen. 

Recyclingunternehmen haben sich traditionell auf Durchsatz und Materialrückgewinnung konzentriert. Warum ist die Desodorierung heute zu einem so wichtigen Thema geworden?

Weil sich die Erwartungen des Marktes an Rezyklate grundlegend verändert haben.

Heute reicht es nicht mehr aus, lediglich recyceltes Material herzustellen. Brand Owner, Recyclingunternehmen und Verbraucher erwarten, dass Rezyklate ähnliche Eigenschaften wie Neuware aufweisen. Eines der auffälligsten Qualitätsmerkmale ist dabei der Geruch. Weist ein recyceltes Material einen unangenehmen Geruch auf, sind seine Einsatzmöglichkeiten erheblich eingeschränkt.

Das gilt insbesondere für Verpackungen, Haushaltsprodukte, Konsumgüter und zahlreiche technische Anwendungen. Die wirksame Desodorierung ist zu einem entscheidenden Faktor geworden, um den Wert und die Möglichkeit der Vermarktung von Rezyklaten zu steigern.

Wodurch entstehen die Gerüche in Post-Consumer-Rezyklaten?

Post-Consumer-Kunststoffabfälle enthalten häufig flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Rückstände und Verunreinigungen.

Selbst nach dem Waschen können Spuren dieser Stoffe im Material verbleiben. Diese Rückstände sind häufig für unerwünschte Gerüche verantwortlich und können die wahrgenommene Qualität des Rezyklats negativ beeinflussen.

Die Herausforderung besteht allerdings nicht allein darin, diese Stoffe wirksam zu entfernen, sondern dies zugleich energieeffizient und wirtschaftlich umzusetzen.

Wie erzielt Coperion eine zuverlässige Desodorierung beim Kunststoff-Recycling?

Wir betrachten das Desodorieren als ein Zusammenspiel mehrerer Schritte, die sich über den gesamten Recyclingprozess erstrecken.

Der erste wichtige Schritt erfolgt bereits während der Materialaufbereitung. Mit der leistungsfähigen Waschtechnologie von Herbold Meckesheim wird das Ausgangsmaterial nicht nur gereinigt, sondern bereits desodoriert. Effiziente Waschanlagen entfernen einen erheblichen Anteil an Verunreinigungen und geruchsverursachenden Stoffen, noch bevor das Material den eigentlichen Recyclingprozess erreicht.

Der zweite Schritt findet im Coperion-Doppelschneckenextruder statt. Dort wird das Rezyklat aufgeschmolzen, intensiv gemischt, homogenisiert und entgast. Dank optimal aufeinander abgestimmter Schneckenkonfigurationen und Prozessbedingungen wird ein großer Teil der flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) zuverlässig im Doppelschneckenextruder entfernt.

Der dritte und letzte Schritt erfolgt in der Siloentgasung EcoFresh. Dort wird das Compound einer thermischen Nachbehandlung unterzogen, bei der verbleibende flüchtige Bestandteile und Restgerüche entfernt werden. Dieser abschließende „Feinschliff“ ermöglicht es, Rezyklate hinsichtlich ihrer Geruchseigenschaften auf ein Qualitätsniveau zu bringen, das dem von Neuware sehr nahekommt.
Das Besondere an unserer Lösung ist der integrierte Ansatz. Jeder einzelne Prozessschritt trägt zur Gesamtleistung der Desodorierung bei und führt so zu einer deutlich höheren Qualität der Rezyklate.

Sie sprechen häufig von der Desodorierung als Prozess und nicht als einzelne Technologie. Warum ist das so wichtig?

Das ist wichtig, weil kein einzelner Prozessschritt und keine einzelne Technologie alle Verunreinigungen und geruchsverursachenden Stoffe allein entfernen kann.

Eine erfolgreiche Desodorierung beginnt mit einer effektiven Reinigung und Materialaufbereitung. Anschließend erfolgt eine intensive Entgasung im Extruder, bevor der Prozess durch die thermische Nachbehandlung in der EcoFresh-Siloentgasung abgeschlossen wird.

Jede dieser Technologien entfernt unterschiedliche Arten von Verunreinigungen und flüchtigen Bestandteilen. Erst das optimale Zusammenspiel aller Technologien führt zu einer besonders effizienten Gesamtdesodorierung und Dekontamination.

Dieser integrierte Ansatz war auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass wir von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) den Letter of No Objection (LNO) für lebensmitteltaugliches rHDPE und rPP erhalten haben. Die FDA bescheinigt nicht nur die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Maschine, sondern die Wirksamkeit des gesamten Prozesses.

Welche Möglichkeiten eröffnet diese Bestätigung der FDA für Recyclingunternehmen?

Sie eröffnet mit den hergestellten Recompounds den Zugang zu höherwertigen Anwendungen.
Mit der Technologie von Coperion können Recyclingunternehmen aus HDPE-Milchflaschen oder Fruchtsaftflaschen lebensmitteltaugliches Regranulat herstellen und dieses anschließend zur Produktion ähnlicher Flaschen oder verwandter Produkte wiederverwenden. 

Lebensmittelbehälter, Becher, Schalen und Trays aus PP können zu neuen Verpackungen mit direktem Lebensmittelkontakt recycelt werden. Je nach Anwendung sind Rezyklatanteile von bis zu 100 Prozent möglich.

Ist EcoFresh nur für das lebensmitteltaugliche Recycling relevant?

Keineswegs.

Der Großteil der heutigen Recyclinganwendungen betrifft keine Produkte mit Lebensmittelkontakt. Dennoch werden auch hier hochwertige Materialien mit geringer Geruchsbelastung benötigt. Haushaltsprodukte, Kosmetikverpackungen, Waschmittelbehälter, Automobilkomponenten, Konsumgüter und viele weitere Produkte profitieren von einer verbesserten Rezyklatqualität.

EcoFresh unterstützt Recyclingunternehmen dabei, die steigenden Qualitätsanforderungen zu erfüllen und gleichzeitig eine hohe Prozesseffizienz zu sichern.

Welche Vorteile bietet EcoFresh bei der Integration in bestehende Recyclinglinien?

Flexibilität war eines der zentralen Entwicklungsziele.

EcoFresh benötigt nur wenig Stellfläche und kann sowohl innerhalb als auch außerhalb von Produktionsgebäuden installiert werden. Darüber hinaus lässt sich das System vergleichsweise einfach in bestehende Recyclinganlagen integrieren. So können Recyclingunternehmen die Qualität ihrer Produkte verbessern, ohne umfangreiche Änderungen an ihrer Produktionsinfrastruktur vornehmen zu müssen.
Dadurch ist die Technologie sowohl für Neuanlagen als auch für Modernisierungsprojekte attraktiv.

Wo können Recyclingunternehmen die Technologien mit ihren eigenen Materialströmen testen?

In unseren Test Centers können Kunden umfassende Versuche mit ihren Originalmaterialien unter realitätsnahen Produktionsbedingungen durchführen.

Im Herbold Meckesheim Test Center lassen sich das Shreddern, Waschen und Materialaufbereitung testen. Im Coperion Recycling Innovation Center können Schüttgut-Handling, Austrag, Dosierung, Extrusion, Compoundierung, Granulierung und Siloentgasung erprobt werden. Gemeinsam bilden Coperion und Herbold in ihren Test Centers den gesamten Recyclingprozess realitätsnah ab.

Dadurch können Recyclingunternehmen Leistungsfähigkeit, Produktqualität, Geruchsreduzierung, Dekontaminationseffizienz und Prozesseffizienz validieren, bevor sie Investitionsentscheidungen treffen.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche Rolle wird die Desodorierung künftig im Kunststoffrecycling spielen?

Ich bin überzeugt, dass die Desodorierung zu einem der entscheidenden Qualitätskriterien für Rezyklate werden wird.

Da gesetzliche Vorgaben, Selbstverpflichtungen von Markenherstellern und die Erwartungen der Verbraucher den Einsatz höherer Rezyklatanteile weiter vorantreiben, werden Rezyklate zunehmend im direkten Wettbewerb mit Neuware stehen. Das bedeutet, dass Qualität, gleichbleibende Materialeigenschaften, Sicherheit und sensorische Eigenschaften wichtiger sein werden als je zuvor.
Was mich besonders zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt, ist die Tatsache, dass wir für jede Stufe des Desodorierungsprozesses bewährte Lösungen anbieten. Von der Reinigung und Materialaufbereitung über die Extrusion bis hin zur abschließenden Silo-Nachbehandlung unterstützen wir Recyclingunternehmen dabei, Materialien herzustellen, die den stetig steigenden Qualitätsanforderungen gerecht werden.
Technologien, die Gerüche und Verunreinigungen effizient entfernen, werden bei hochwertigen Recyclinganwendungen eine zentrale Rolle spielen. Die FDA-Bestätigung für lebensmitteltaugliches rHDPE und rPP zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn moderne Extrusions- und Desodorierungstechnologien als integrierte Gesamtlösung zusammenwirken.

Für uns ist dies nicht nur ein Meilenstein für das lebensmitteltaugliche Recycling – es ist zugleich der Beweis dafür, dass hochwertige Rezyklate völlig neue Möglichkeiten für die Kreislaufwirtschaft eröffnen können.

Jochen Schofer ist Head of Sales Recycling bei Coperion und unterstützt Kunden weltweit bei der Umsetzung moderner Lösungen für das Kunststoffrecycling sowie für die Dekontamination und Desodorierung.

Die wichtigsten Punkte: Wie moderne Desodorierungstechnologien die Produktqualität im Kunststoffrecycling verbessert

  • Die Desodorierung ist ein wesentliches Qualitätskriterium für Rezyklate, insbesondere bei Verpackungen, Konsumgütern, Haushaltsprodukten und Anwendungen mit Lebensmittelkontakt.
  • Ein integrierter Prozessansatz erzielt die besten Ergebnisse bei Desodorierung und Dekontamination. Eine wirksame Geruchsreduzierung und Dekontamination erfordert die Kombination aus Waschen, Extrusionsentgasung und Nachbehandlung – nicht nur einen einzelnen Prozessschritt.
  • Die FDA-Bestätigung schafft zusätzliches Vertrauen in das lebensmitteltaugliche Recycling. Das Letter of No Objection (LNO) der FDA für lebensmitteltaugliches rHDPE und rPP bestätigt die Wirksamkeit des integrierten Dekontaminations- und Desodorierungsprozesses von Coperion. Dadurch erhalten Recyclingunternehmen zusätzliche Sicherheit bei Anwendungen mit Lebensmittelkontakt und können den Einsatz von Rezyklaten weiter ausbauen.
  • Geruchsarme Rezyklate eröffnen neue Marktchancen, die weit über Lebensmittelverpackungen hinausgehen – beispielsweise für Kosmetikverpackungen, Haushaltsprodukte, Automobilkomponenten und Konsumgüter.
  • Nachrüstbare Technologien können bestehende Recyclingprozesse aufwerten. Lösungen, die sich in vorhandene Recyclinglinien integrieren lassen, ermöglichen eine deutliche Qualitätssteigerung, ohne umfangreiche Änderungen an der Produktionsinfrastruktur vornehmen zu müssen.
  • Tests mit realen Materialströmen sind entscheidend, um Geruchsreduzierung, Dekontaminationseffizienz, Produktqualität, Durchsatzleistung und Wirtschaftlichkeit bereits vor einer Investitionsentscheidung zuverlässig zu bewerten.
  • Hochwertige Rezyklate sind ein wesentlicher Baustein für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft. Sie ermöglichen ein breiteres Anwendungsspektrum und fördern die Akzeptanz recycelter Materialien in zahlreichen Industriezweigen.

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